- Route: Flughafen Sofia → Sofia → Wladaja → Tscherni Wrah (Witoscha-Gebirge)
- Transport: ÖPNV Sofia, BDŽ (Bulgarische Staatsbahn)
- Fahrpläne: Alles über Google Maps gefunden. Funktioniert zuverlässig.
- Gesamtkosten: Flug 75 €, Privatzimmer im Hostel 70 €, ÖPNV 6 €.
Sofia war für mich nicht das Hauptziel. Im Winter habe ich Flüge für ein paar Euro entdeckt und wollte einfach einen Tagesausflug für eine Wanderung machen. Schon von der Hauptstraße (Witoscha-Boulevard) aus hatte ich das Gebirge samt meinem Ziel direkt im Blick.
Der Aufstieg
Morgens ging es mit dem Zug in das Dorf Wladaja, wo meine ganztägige Wanderung begann. Ich fuhr mit dem ÖPNV zur Zugstation Sacharna Fabrika (Zakharna Fabrika), kaufte mir ein Ticket für 0,82 € und am Automaten einen Kaffee für 0,50 €. Dort wehte mich direkt die Atmosphäre der 90er-Jahre an. In Bulgarien hat seit dem Fall des Kommunismus offenbar – abgesehen von einer neueren Zuggarnitur – niemand auch nur einen Cent in die Infrastruktur investiert.

In Wladaja bin ich völlig allein ausgestiegen. Die meisten Leute nutzen für die Tour den Bus, fahren bis knapp unter den Gipfel, machen ein Foto und fahren wieder zurück. Das ist nicht mein Stil, und die Belohnung dafür war eine stundenlange Einsamkeit in den bulgarischen Bergen. Bis auf einen Einheimischen, der seine Hunde ausführte, bin ich keiner Menschenseele begegnet. Unterwegs fielen mir einige Notunterkünfte auf. Von innen sahen sie zwar nicht besonders einladend aus, aber jede hatte einen Kamin und eine eigene Quelle.


Auf dem Weg zum Gipfel gibt es mehrere Hütten, in denen man essen und trinken kann. Kartenzahlung wird nirgends akzeptiert, aber im Gegensatz zum Stadtzentrum von Sofia ist alles sehr preiswert.

Beim Aufstieg auf den Witoscha hat mich ein Phänomen fasziniert, das wie ein riesiger Steinfluss aussieht, der von den Gipfeln bis hinab ins Tal fließt. Es handelt sich um ein sogenanntes Steinmeer (oder Steinfluss), ein einzigartiges geologisches Phänomen aus den Eiszeiten. Es entstand dadurch, dass Frost und Schmelzwasser über Jahrtausende das lokale Syenitgestein zerkleinerten und die riesigen, abgerundeten Blöcke dann durch das Gewicht des Eisbreis langsam durch das Bett nach unten rutschten. Wenn man heute im Stillen auf diesen Steinbrücken steht, kann man tief unter seinen Füßen immer noch das Rauschen eines echten unterirdischen Flusses hören, der sich seinen Weg unter den Tonnen von Granitblöcken bahnt.

Der gesamte Aufstieg war für einen geübten Wanderer überraschend einfach. Obwohl sich der Gipfel auf 2.290 m ü. M. befindet, habe ich den 13 km langen Aufstieg ein Viertel schneller geschafft, als die Karte prognostiziert hatte. Die gesamte Route bin ich inklusive zwei Pausen auf den Hütten in ca. 8 Stunden gelaufen.


Auf dem Gipfel findet man neben einer fantastischen Aussicht eine Wetterstation, die auch als kleine Hütte mit Erfrischungen dient. Ich habe dort eine Suppe gegessen, aber ein kulinarisches Highlight war das nicht. Draußen gibt es bei gutem Wetter einen traditionellen Balkan-Grill.

Der Abstieg zur Bushaltestelle auf der anderen Seite des Berges ist etwas steiler, aber deutlich kürzer als meine Route nach oben. Seilbahnen sind keine in Betrieb, aber die Busse (Linie 66, Haltestelle Aleksandr-Malinow-Hütte / Khizha Aleko) nach Sofia fahren regelmäßig bis ca. 17:30 Uhr.
Sofia


Die Stadt selbst konnte ich nur im Schnelldurchlauf erkunden. Schon am Flughafen hat mich die lokale Logistik amüsiert: Die Metro fährt zwar zum Flughafen, aber nur zum Terminal 2. Ich bin natürlich an Terminal 1 gelandet, sodass der versprochene Komfort der Schnellbahn durch einen Pendelbus ersetzt werden sollte. Der war allerdings winzig und die Zahl der Passagiere groß. Statt mich hineinzulquetschen, bin ich mit einem normalen Linienbus direkt ins Zentrum gefahren.
Der ÖPNV funktioniert ansonsten hervorragend. Ein Tagesticket kostet umgerechnet nur 2 €, und das Stadtzentrum selbst ist schön und gepflegt. Ursprünglich hatte ich geplant, mit einem Guide eine Tour zu den kommunistischen Denkmälern zu machen und zu sehen, was die damaligen Architekten hier alles umgesetzt haben, aber dafür hat mir am Ende leider die Zeit gefehlt.
Stattdessen bin ich zum Essen in das bekannte Lokal Made in Blue gegangen. Das Ambiente des Restaurants war wirklich großartig und hatte eine tolle Atmosphäre, aber der Burger selbst hat mich eher enttäuscht – absoluter Durchschnitt, den ich mir dort nicht noch einmal bestellen würde. Als schneller Wochenend-Ausflug mit der Kombination aus Bergen, wo man zumindest auf dem ersten Teil des Weges die absolute Einsamkeit genießen kann, und einer gut erreichbaren Stadt hat Sofia für mich aber bestens funktioniert.
